Die Frage ob man in Italien den offiziellen Wohnsitz (residenza) anmeldet, ist keine rein bürokratische. Sie hat steuerliche, rechtliche und alltägliche Konsequenzen die gut abgewogen sein wollen.
Ferienimmobilie oder neues Zuhause?
Viele deutschsprachige Käufer kaufen in Italien zunächst eine Ferienimmobilie. Manche bleiben dabei. Andere merken irgendwann, das sie immer mehr Zeit in Italien verbringen und fragen sich, ob der nächste Schritt nicht konsequent wäre. Andere ziehen nach Italien und wollen einen Fuß (z. B. die Krankenversicherung) zunächst in Deutschland behalten. Dafür kann es ganz individuelle Gründe geben.
Die Entscheidung hat wenig mit der Immobilie zu tun und viel mit der eigenen Lebenssituation: Wie ist meine Arbeitssituation? Habe ich Familie, die mich bindet? Was bedeutet es für mich, die Krankenversicherung zu wechseln, die Steuerpflicht zu verlagern oder mein soziales Netz komplett neu aufzubauen?
Ein Haus in Italien zu kaufen ist eine Investition. Dorthin auszuwandern ist eine Lebensentscheidung. Für letztere lohnt es sich, auf längere Sicht zu denken und auch zu überlegen, wo möchte ich alt werden?
Was in Italien den „Wohnsitz anmelden“ bedeutet
Mit der Ummeldung, der Anmeldung des Wohnsitzes in Italien (residenza) wird Italien zum offiziellen Hauptwohnsitz. Die Anmeldung erfolgt beim Einwohnermeldeamt (anagrafe) der Gemeinde oder Stadt (comune). Mit der Ummeldung ist man offiziell in Italien ansässig und unterliegt damit dem italienischen Steuerrecht, dem Krankenversicherungssystem und den lokalen Verwaltungspflichten (agenzia delle entrate). Gleichzeitig muss man sich in Deutschland abmelden, sonst unterliegt man einer doppelten Steuerpflicht.
Lebensbereiche, die sich ändern
Die Anmeldung in Italien hat den Vorteil der günstigeren Grunderwerbsteuer beim Hauskauf (zwei statt neun Prozent). Innerhalb der EU gilt die Freizügigkeit: EU-Staatsangehörige benötigen keine Aufenthaltsgenehmigung (seit 2007) mehr und es gelten die Meldebestimmungen wie für die ansässige Bevölkerung.
Steuern und Sozialversicherung
Steuern (tasse)
Als Selbstständige oder als Gewerbetreibender benötigen Sie neben der Steuernummer (codice fiscale) eine Mehrwertsteuernummer (Umsatzsteuer-Identifikationsnummer, partita IVA).
Mit der residenza werden Sie in Italien unbeschränkt steuerpflichtig. Das bedeutet: Ihr weltweites Einkommen wird in Italien versteuert – nicht mehr in Deutschland, Österreich oder der Schweiz. Doppelbesteuerungsabkommen zwischen den Ländern regeln, dass Sie nicht zweifach zahlen, aber die Steuersätze und -systeme unterscheiden sich.
Wer in Rente geht und nach Italien zieht, kann unter bestimmten Bedingungen vom günstigen Flat-Tax-Modell für Rentner (7 % auf ausländische Einkünfte, für Gemeinden unter 20.000 Einwohnern in Süditalien) profitieren. Das ist aber an enge Voraussetzungen geknüpft. Lassen Sie sich dazu von einem Steuerberater beraten.
Krankenversicherung (tessera sanitaria, sanità)
Es gilt grundsätzlich das Beschäftigungslandprinzip: Sie müssen dort versichert sein, wo Sie arbeiten (außer Sie wurden von Ihrer Firma entsendet). Für EU-Bürger mit Wohnsitz in Italien gelten die gleichen Pflichten wie für italienische Staatsangehörige. Daher sind Sie im gesetzlichen nationalen Gesundheitsdienst (Servizio Sanitario Nazionale, SSN) versichert, solange Sie nicht privat oder aus einem anderen Grund des Weiterbestehens in Ihrer früheren Sozialversicherung in einem anderen EU-Staat sozialversichert sind. Ihre Fragen diesbezüglich beantwortet das örtliche ASL-Büro (Azienda sanitaria locale, ASL).
Die Qualität variiert stark je nach Region: In der Emilia-Romagna oder in Norditalien ist die medizinische Versorgung gut bis sehr gut; in manchen südlichen Regionen gibt es erhebliche Lücken. Wer eine bestimmte Behandlung benötigt, sollte das vor dem Umzug recherchieren.
Rentner aus EU-Ländern können unter bestimmten Bedingungen ihre bisherige Krankenversicherung behalten – das regelt die sogenannte S1-Bescheinigung. Prüfen Sie das frühzeitig mit Ihrer Krankenkasse.
Rentenversicherung (pensione)
Für die Rentenversicherung gilt ebenfalls das Beschäftigungslandprinzip. Bei Angestellten entrichtet der Arbeitgeber die Rentenbeiträge. Die jeweiligen Rentenversicherungszeiten in Deutschland, Österreich oder der Schweiz werden angerechnet und jeder Staat zahlt eine Teilrente. Informationen über Renten, Arbeitslosigkeit, Krankheit und Mutterschaft (NB: in Italien gibt es kein einkommensunabhängiges, monatliches Kindergeld wie in Deutschland) gibt der staatliche Sozialversicherungsträger Istituto Nazionale Previdenza Sociale, INPS (www.inps.it).
Sprache
Unterschätzen Sie die Notwendigkeit von Sprachkenntnissen nicht. Wer in Italien wohnt, nicht nur Urlaub macht, braucht definitiv Italienisch. Sie müssen die Sprache nicht perfekt beherrschen, sollten sich aber flüssig verständigen können. Arztbesuche, Behördengänge, Handwerker, Nachbarschaft: ohne Grundkenntnisse des Italienischen ist das Leben deutlich mühsamer. Sprachkurse vor dem Umzug sind eine der besten Investitionen, die Sie tätigen können.
Soziales Netz
Das deutschsprachige Netz in Italien ist regional sehr unterschiedlich: In Südtirol, am Gardasee oder in der Toskana gibt es etablierte Expat-Gemeinschaften. In den Abruzzen oder der Basilikata sind Sie unter Umständen der einzige Deutschsprachige im Dorf. Mitunter ist die Herkunft aus dem gleichen Land aber nicht ausreichend, um sich Menschen verbunden zu fühlen. Oft spielen die Lebensphase, Lebenseinstellungen, Lebensumstände, Interessen und Hobbys eine stärkere Rolle.
Das Leben in einer anderen Kultur zeigt uns selbst vor allem, wo wir herkommen und was uns geprägt hat. Über die Zeit erfolgt eine Anpassung an die lokale Kultur. Das erfolgt einfach ganz automatisch, weil der Alltag es mit sich bringt. Das trifft natürlich nur dann zu, wenn Sie Teil der lokalen Gemeinschaft werden wollten und sich nicht nur in Expat-Kreisen bewegen werden.
Prima casa und die 18-Monats-Regel
Wer in Italien gemeldet ist und sein Haus als prima casa – als Erstwohnsitz – erwirbt oder sich innerhalb von 18 Monaten ummeldet, zahlt beim Kauf deutlich weniger Grunderwerbsteuer: 2 Prozent statt 9 Prozent des Katasterwerts. Das kann je nach Objekt ein Unterschied von mehreren Tausend Euro sein.
Wichtig: Die prima casa-Vergünstigung ist an die Bedingung geknüpft, dass Sie sich innerhalb von 18 Monaten nach dem Kauf tatsächlich in der Gemeinde anmelden. Wer die Frist versäumt, muss den Steuervorteil zurückzahlen – inklusive Zinsen und Strafgebühren.
Wichtige Fragen vor der Entscheidung
Auf diese Fragen gibt es keine richtige oder falsche Antwort. Aber jede Frage verdient eine ehrliche Antwort.
Wie viele Monate im Jahr möchten Sie tatsächlich in Italien leben? Wer sechs Monate oder mehr plant, lebt de facto dort – unabhängig davon, was im Pass steht.
Haben Sie Einkommen oder Rente aus dem Heimatland? Dann lohnt eine Steuerberatung in beiden Ländern, bevor Sie irgendetwas unterschreiben.
Wie wichtig ist Ihnen die Nähe zu Familie und Freunden? Ein spontaner Besuch ist von Kalabrien aus schwieriger als von Südtirol.
Sprechen Sie Italienisch? Sind Sie bereit, es zu lernen? Keine Fangfrage, sondern eine ganz praktische.
Haben Sie einen Plan für medizinische Notfälle? Wo ist das nächste Krankenhaus? Wie gut ist es? Was würde ein Rücktransport in die Heimat kosten?
Fazit: Kein entweder oder
Sie müssen sich nicht entscheiden, bevor Sie kaufen. Viele erfolgreiche Hauskäufer in Italien verbringen zunächst mehrere Jahre als Teilzeitbewohner und entscheiden erst später, ob der vollständige Umzug der richtige Schritt ist. Das Haus ist da, die Erfahrung und die Sprachkenntnisse wachsen.
Was sich aber lohnt, ist die Frage frühzeitig mitzudenken, nicht erst dann, wenn der Notar-Termin schon vereinbart ist.
Der Schlüssel
im Postfach.
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