Comer See mit traditionellem Fischerboot

Welche Region Italiens passt zu mir?

Italien ist keinesfalls ein homogener Immobilienmarkt. Das Land gleicht eher einer Sammlung von Regionen mit völlig unterschiedlichen Preisen, Klimazonen, Infrastrukturen und Lebensweisen. Wer in der Toskana kauft, erwirbt unter ganz anderen Bedingungen als jemand, der in Kalabrien ein Haus kauft. Die Regionen unterscheiden sich stark in Bezug auf Mentalität und Käuferkonkurrenz. Die Wahl der Region ist somit eine der wichtigsten Entscheidung vor dem Kauf. Der Artikel hilft Ihnen beim Finden der Region, die zu Ihren Zielen, Ihrem Budget und Ihrer Lebensvorstellung passt.

Die wichtigsten Fragen vorab

Bevor Sie sich auf eine Region festlegen, sollten Sie drei Fragen ehrlich beantworten:

  1. Ferienimmobilie oder Hauptwohnsitz? Eine Ferienwohnung in der Toskana oder ein dauerhafter Wohnsitz in einem toskanischen Dorf sind grundverschiedene Entscheidungen mit unterschiedlichen Anforderungen an die Infrastruktur, Erreichbarkeit und das lokale Netzwerk.
  2. Wie hoch ist Ihr Budget wirklich? Die Kaufpreise variieren in Italien stark. Was in der Toskana ein Renovierungsprojekt ist, ist in den Marken ein gepflegtes Haus mit Garten. Rechnen Sie immer 15 bis 20 Prozent des Kaufpreises für Kaufnebenkosten und einen realistischen Puffer für die Renovierung ein.
  3. Wie wichtig ist Ihnen Erreichbarkeit? Norditalien liegt näher an der Schweiz, Österreich und Süddeutschland. Süditalien bedeutet mehr Reisezeit – was für eine Ferienimmobilie, die man möglichst oft nutzen will, ein ernsthafter Faktor ist. Wer dauerhaft umzieht, gewichtet das anders: Ein direkter Flug von Bari nach München existiert, ein Zug von Lecce nach Wien nicht. Überlegen Sie, wie oft Sie reisen werden und mit welchem Verkehrsmittel.
  4. Sprechen Sie Italienisch – oder sind Sie bereit, es zu lernen? In touristisch erschlossenen Regionen wie der Toskana oder Ligurien kommt man auf Englisch oder Deutsch am Anfang zurecht. Sobald es um Behörden, Handwerker, Nachbarn und Alltagsleben geht, ist Italienisch keine Option mehr, sondern Voraussetzung. Je abgelegener die Region ist, desto früher werden Sie das merken.

Auf diese Fragen gibt es keine richtigen oder falschen Antworten. Aber sie helfen Ihnen, die nun folgende Übersicht mit dem richtigen Blick zu lesen.

Toskana

Die begehrteste Region – und entsprechend teuer. Wer ein Rustico in der Chianti-Zone oder ein Landhaus bei Siena sucht, muss mit Preisen wie in Südwestdeutschland rechnen. Abseits der bekannten Lagen wie Montalcino oder Montepulciano gibt es in der südlichen Maremma noch erschwingliche Objekte. Klimatisch mild, infrastrukturell gut erschlossen, internationale Käufergemeinschaft.

Piemont

Weniger bekannt als die Toskana, aber ähnlich reizvoll – mit dem Vorteil deutlich günstigerer Preise. Die Langhe und das Monferrato bieten Hügellandschaften, Weinbau und eine lebendige lokale Kultur. Die Nähe zu Turin und zur französischen Grenze macht die Region für Nordeuropäer besonders attraktiv. Harte Winter im Inland sollte man einkalkulieren.

Marken

Das „neue Umbrien“ – hügelig, grün, mit langer Adriaküste und vergleichsweise günstigen Preisen. Besonders interessant für Menschen die sowohl Meer als auch Berge mögen. Die Region wurde durch das Erdbeben von 2016 teils stark getroffen – in betroffenen Gemeinden gibt es günstige Objekte, aber Vorsicht ist bei der Statikprüfung geboten.

Kalabrien

Die günstigste Region für Immobilien in ganz Italien – mit entsprechendem Potential und entsprechenden Risiken. Traumhafte Küsten, ursprüngliche Bergdörfer, kaum Tourismus. Infrastruktur und Bürokratie sind anspruchsvoll, das Netzwerk für Ausländer dünn. Kalabrien ist eine Region für Abenteuerlustige mit Zeit und Geduld.

Sizilien

Groß, vielfältig, überraschend erschwinglich abseits von Taormina und den Äolischen Inseln. Das Inland bietet 1-Euro-Häuser und ehrliche Dorfgemeinschaften. Das Meer ist nie weit. Die Bürokratie ist sizilianisch – was heißt: geduldig sein und einen guten lokalen Anwalt haben.

Sardinien

Zweigeteilter Markt: die Küste ist international, teuer und saisonal. Das Innere der Insel ist fast unentdeckt, mit günstigen Preisen und einer der ältesten Kulturen Europas. Wer wirklich ankommen will statt Urlaub zu machen, schaut ins Innere der Insel.

Venetien

Eine der wirtschaftsstärksten Regionen Italiens – und immobilientechnisch zweigeteilt. Der Großraum Venedig, der Gardasee-Ostrand und die Euganäischen Hügel sind international begehrt und entsprechend teuer. Wer jedoch ins Hinterland schaut – die Valpolicella, das Berici-Gebirge oder die Provinzen Vicenza und Treviso – findet solide Steinhäuser zu moderaten Preisen, gute Infrastruktur und eine der lebendigsten Wirtschaftsregionen Europas als Nachbarschaft. Das Klima ist kontinental mit heißen Sommern und kalten Wintern. Für Menschen die Italien lieben aber auch Deutschland nicht ganz loslassen wollen: Venetien ist gut erreichbar und fühlt sich trotzdem eindeutig italienisch an.

Lombardei

Die Lombardei wird beim Hauskauf oft übersehen – zu Unrecht. Abseits von Mailand und den überteuerten Seelagen am Comer See und Lago Maggiore gibt es in den Tälern der Voralpen und im südlichen Oltrepò Pavese erschwingliche Objekte mit erstklassiger Anbindung. Wer in der Lombardei kauft, hat Europas wichtigstes Wirtschaftszentrum vor der Tür – mit allem was das bedeutet: Flughäfen, Krankenhäuser, internationale Schulen, Kulturangebot. Das macht die Region besonders interessant für Menschen die in Italien leben aber beruflich flexibel bleiben wollen. Die Kehrseite: die Lombardei ist dicht besiedelt, der Immobilienmarkt professioneller und weniger romantisch als anderswo. Schnäppchen findet man hier seltener als im Süden. Dafür ist die Infrastruktur zuverlässig.

Ligurien

Das schmale Küstenband zwischen den Alpen und dem Meer ist eine der kompaktesten und widersprüchlichsten Regionen Italiens. Auf wenigen Kilometern Breite drängen sich Steilhänge, historische Dörfer, Olivenhaine und ein ausgesprochen mildes Klima. Die Cinque Terre und Portofino sind weltberühmt – und unerschwinglich. Aber Ligurien ist mehr als seine Postkartenmotive.

Im westlichen Ponente, zwischen Sanremo und der französischen Grenze, findet man noch erschwingliche Objekte in Dörfern die zehn Minuten vom Meer entfernt liegen. Das Hinterland der Provinzen Savona und Imperia – die sogenannte Liguria dell’entroterra – ist einen Blick wert: mittelalterliche Borghi, günstige Preise, absolute Ruhe. Der Nachteil: die Infrastruktur im Hinterland ist dünn, die Straßen kurvenreich, und im Winter können manche Dörfer isoliert wirken.

Für deutschsprachige Käufer hat Ligurien einen praktischen Vorteil: die Region ist von Deutschland, der Schweiz und Österreich gut erreichbar – ein langer Wochenendtrip ist realistisch. Das macht sie attraktiv als Feriendomizil, das man tatsächlich nutzt.

Besonders zu beachten: Ligurien hat eine der höchsten Hanglagen-Dichten Italiens. Viele Häuser sind nur zu Fuß oder per Maultierweg erreichbar – charmant im Sommer, problematisch bei Renovierungen. Die Transportkosten für Baumaterialien können erheblich sein. Ein Geometra der die lokalen Verhältnisse kennt ist hier wichtiger als anderswo.

Abruzzen

Einer der besten Tipps für preisbewusste Käufer. Die Region liegt zwischen Apennin und Adria, hat drei Nationalparks und eine der niedrigsten Bevölkerungsdichten Italiens. Preise für Renovierungsobjekte beginnen im fünfstelligen Bereich. Die Infrastruktur ist ordentlich und Rom in zwei Stunden erreichbar. Die Abruzzen werden zunehmend von internationalen Käufern entdeckt, doch noch ist das Fenster offen.

Emilia-Romagna

Die wohlhabendste Region Italiens – und das spürt man an den Preisen. Bologna, Parma, Modena: hier kaufen vor allem Städter, nicht Landhaus-Suchende. Wer ein Landhaus in der Romagna oder in den Apennin-Hügeln sucht, findet durchaus Erschwingliches abseits der Städte. Infrastruktur und Lebensqualität sind hervorragend, das Klima kontinental mit heißen Sommern. Eher für Menschen, die nah an urbaner Infrastruktur bleiben wollen.

Apulien

Der Markt der letzten zehn Jahre. Trulli im Valle d’Itria, Masserie in der Tavoliere, Stadthäuser in Lecce – Apulien bietet eine außergewöhnliche Vielfalt an Objekttypen. Die Preise sind gestiegen, aber noch deutlich unter Toskana-Niveau. Das Klima ist heiß und trocken, die Sommer lang. Für Ferienimmobilien eine der attraktivsten Regionen – für einen ganzjährigen Wohnsitz sollte man die Hitze und die lückenhafte Infrastruktur im Inneren einkalkulieren.

Basilikata

Die wohl unbekannteste Region des Südens – und vielleicht die interessanteste für Käufer mit Pioniergeist. Matera ist UNESCO-Welterbe und international bekannt, der Rest der Region ist es nicht. Die Preise sind auf Kalabrien-Niveau, die Verwaltung ist überschaubar, die Landschaft spektakulär. Wer keine touristische Infrastruktur braucht und authentisches süditalienisches Leben sucht, ist hier richtig. Ein Netzwerk für Ausländer praktisch nicht vorhanden – lokale Kontakte und Sprachkenntnisse sind unverzichtbar.

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